Veröffentlicht am Mi., 6. Mär. 2019 05:15 Uhr

Es ist Nacht in Jerusalem. In einem Garten am Abhang des Ölbergs sind elf Männer eingeschlafen. Eigentlich sollten sie mit Jesus wach bleiben. Aber das haben sie nicht fertig gebracht.

Jesus wacht allein. Er weiß, dass ihm Schweres bevorsteht. Noch kennt er nicht alle Einzelheiten. Aber dass er sein Leben aufs Spiel setzt, es wohl verlieren wird, das ist ihm schon lange ganz klar.

Mehrmals hat er das auch seinen Freunden gesagt. Aber verstanden haben sie ihn nicht. In seinen Gedanken spielen sich die Bilder der letzten Jahre noch einmal ab. Er erinnert sich: Wie er die Freunde gefunden hat, die mit ihm unterwegs gewesen sind. Wie viele Menschen, Kranke und Arme zumal, zu ihm gekommen sind. Er hat ihnen Hoffnung und neue Lebenskraft geben können. Manche hat er geheilt.

Dass er in allem auf Gott vertraut, das hat er ihnen immer wieder gesagt. Und dass sie alle vor Gott einen unendlichen Wert haben, egal, was aus ihrem Leben geworden ist, egal, was andere von ihnen denken, das auch. Manche der alten Autoritäten hat das gestört. Und so hat es immer wieder Streit gegeben. Er hat das ausgestanden, immer bereit, für seine Überzeugung einzutreten.

Doch jetzt hat er Angst. Jetzt ist seine Seele betrübt bis an den Tod. So ruft er es seinem Gott zu.Immer hat er Gott vertraut, doch jetzt fällt es auch Jesus unendlich schwer, den Weg anzunehmen, der ihm bevorsteht, hinein in das Leiden, hinein in den Tod. Etwas in ihm sagt: Tu ́s nicht. Geh einfach fort. Aber er geht nicht, er betet. Er fragt Gott, er ringt mit ihm: Kannst du mir dieses schreckliche Ende nicht ersparen? Willst du das wirklich? Und etwas geschieht mit ihm in dem Gebet. 

Er merkt, dass er selbst jetzt noch auf Gott vertrauen kann. Er sagt ja zu seinem Weg. Er sagt: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.

So ist es überliefert aus der Nacht vor Jesu Verhaftung. Als Christ vergegenwärtige ich mir in  dieser Zeit vor Ostern, der Passionszeit, den Leidensweg Jesu. Nicht, weil mich sein Leiden fasziniert oder ich mir ausmale, welche Schmerzen er erlitten haben mag. Sondern weil mich eines nicht loslässt: Wie er sich treu bleibt auch in der schwersten Anfechtung und von Gott nicht lässt.

Bis zum Ende hält er daran fest: Vertrau auf Gott und du wirst leben.

Ihr
Christian Nottmeier
Superintendent

Foto: Dieter Schütz_pixelio.de

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