Samstag, 30. März 2019 20:00 Uhr

Die in Bachs ersten Leipziger Jahren entstandenen Motetten bilden eine eigene Werkgruppe, die abseits seiner übrigen geistlichen Musik steht: Sie waren nämlich nicht für die reguläre Kirchenliturgie bestimmt, sondern für private Anlässe. Deshalb sind sie je nach Wunsch der Auftraggeber oder Bachs eigenen Ideen sehr individuell zugeschnitten. Gemeinsam – und im Gegensatz zu den „modernen“ Kantaten – haben sie eine konservative Tendenz und stehen in der Tradition der Vokalpolyphonie, die im 16. Jahrhundert zu höchster Blüte gelangt war. Der Chor wird nicht von einem Orchester sondern bloß von einer schlichten instrumentalen Begleitung mit Generalbass getragen. Zum Ausgleich für das fehlende Orchester ist der Vokalsatz noch komplexer und detaillierter ausgefeilt als sonst: Auf engem Raum kommen alle möglichen Satztechniken, kontrapunktisch und konzertant, Choralsatz und Doppelchörigkeit, zum Einsatz. Mit äußerlich zurückgenommenen Mitteln schuf Bach damit ebenso bedeutende und ausdrucksstarke Musik wie in seinen großbesetzen Werken.

Bachs Motetten waren die ersten Werke, die schon vor der Wiederaufführung der „Matthäus-Passion“ 1829 die Bach-Renaissance einleiteten und die bis heute eine ungebrochene Aufführungstradition aufweisen – auch deshalb, weil sie eben nicht für den Gottesdienst, sondern für eine frühe bürgerliche Festkultur entstanden sind. Bis heute bedeuten Bachs Motetten für jeden Chor eine besondere künstlerische und interpretatorische Herausforderung, die auch der Madrigalchor Kreuzberg mit großer Ambition angenommen hat.

Der Madrigalchor Kreuzberg gründete sich 1985 unter Leitung von Siegfried Rath aus ambitionierten ehemaligen Schülern des Leipniz-Gymnasiums in Berlin. Mittlerweile ist der Chor fester Bestandteil der Musikschule Paul Hindemith in Neukölln und singt unter Leitung von Thorsten Hansen eine breit gefächerte Literaturauswahl von a capella Stücken bis hin zu Chorsinfonischen Werken.

Mitwirkende
Madrigalchor Kreuzberg
Ort
Nikodemus-Kirche, Nansenstraße 12, 12047 Berlin, Deutschland
Preis
Eintritt: 12,-/erm. 8,-/BerlinPass 3,-€