Veröffentlicht am Mi., 22. Apr. 2020 14:00 Uhr

Sie sind Pfarrerin in der Lukasgemeinde, wohnen aber in Berlin-Tempelhof. Wie halten Sie in Coronazeiten den Kontakt zu Ihren Gemeindegliedern?

Ich telefoniere viel mehr als davor! Manche Liste wird abtelefoniert. Wer nicht zu erreichen ist, da versuche ich es später noch einmal. Die Frauen des Frauennachmittags, Konfi- oder Tauf-Eltern: alle freuen sich über einen Anruf.
Mit dem Gemeindekirchenrat halten wir nun über einen Messenger Kontakt, so habe ich hier sogar noch mehr Austausch als vor Corona. Auch wenn ich seltener nach KW fahre, bin ich doch im mit vielen Menschen im engen Austausch.

Brandenburg stellt erste Lockerungen auch im Bezug auf die Gottesdienste in Aussicht. Was denken Sie dazu?

Einerseits verspüre ich eine große Sehnsucht in mir, endlich mal wieder einen 'normalen' Gottesdienst zu feiern. So ganz schlicht nach Agende. Aber in meiner Vorstellung wäre der dann auch ohne Mundschutz und mit Friedensgruß und Händeschütteln. Mit befreitem Singen. Und mit Gesprächen an der Kirchentür.
Wie das Zwischenstadium aussehen soll, kann ich mir noch nicht so gut vorstellen. Aber ich finde: wir sollten nicht vorschnell handeln, sondern bewusst überlegen, auf welche Formen von einer öffentlichen Kirche wir noch verzichten. Dank unserer anderen wirtschaftlichen Grundlage können wir uns als Kirche - im Gegenüber zum Einzelhandel - bewusst langsamer wieder öffnen.

Was hat sich durch die Coronakrise in Ihrer Gemeinde verändert?

Es ist stiller geworden in unserer Gemeinde. Aber auch kreativer. Menschen haben Zeit und Lust sich einzubringen. Für einen Videogottesdienst zu Ostern gab es mehr Menschen, die sich einbringen wollten, als es Aufgaben für den Gottesdienst gab. Auch haben sich die Grenzen von Gemeinde verändert: eine beteiligte Person aus dem Video-Gottesdienst erzählte mir, wie sehr sich ihre fernen Eltern gefreut hatten, ihre Tochter im Videogottesdienst zu erleben und wie sie Teil einer neuen Gemeinschaft wurden, die nicht auf die parochialen Grenzen unserer Gemeinde begrenzt ist. Und: wir haben Zeit, die Dinge anzupacken, die sonst immer liegen bleiben: aufräumen zum Beispiel.

Irgendwann wird die Coronakrise beendet sein. Worauf freuen Sie sich besonders?

Neben dem bereits erwähnten Agenden-Gottesdienst, freue ich mich auf Resonanz. Zu spüren, wie etwas ankommt. Mein Gegenüber voll wahrzunehmen. Das kann kein Telefon und auch keine Videokonferenz ersetzen. Darauf freue ich mich.

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