Veröffentlicht am Do., 19. Mär. 2020 05:47 Uhr

Meine Augen sehen stets auf den Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen (Psalm 25,15)

Das sind ungewohnte, ja auch beunruhigende Tage, die wir derzeit erleben. Wir erfahren die Verletzlichkeit  unserer Sicherheit und unserer Ordnungen. Gewohntes und Liebgewordenes steht auf dem Prüfstand. Die Nachrichten über die Ausbreitung des Corona-Virus sind beängstigend. Beschwichtigung ist nicht mehr angebracht, ebenso wenig allerdings wie  Panik. Ja, es gibt inzwischen deutliche, spürbare Einschnitte in unser öffentliches Leben.  Das macht auch vor unseren Veranstaltungen, Treffen und Angeboten nicht halt.

Auch unsere Gottesdienste sind davon betroffen. Der Gedanke daran schmerzt und bewegt mich. Da fehlt etwas ganz Wesentliches. Zeichnen sich Gemeinde und christliche Gemeinschaft nicht dadurch aus, dass wir Woche für Woche zum Gottesdienst zusammen kommen (oder zumindest zusammen kommen könnten), miteinander singen, beten, hören und so Gottes Liebe feiern?

Auch da wird jetzt Verzicht von uns gefordert. In vielen Bundesländern sind gottesdienstliche Zusammenkünfte untersagt. Auch in Berlin und Brandenburg sind sie  im Moment nur noch unter großen Einschränkungen möglich. Aber es kann jetzt nicht mehr darum gehen, rechtlich auszuloten, was im Rahmen der derzeitigen Verordnungen und Vorschriften noch machbar ist. Es geht vielmehr darum, die letztlich tödliche Kette der Infektionen zu unterbrechen, die Krankheitsausbrüche hinauszuzögern, so dass möglichst viele Menschen gut behandelt und gerettet werden können. Die Gesundheit, das Wohl aller Menschen, gerade der, die besonders durch den Virus gefährdet sind, ist unser aller Verantwortung. Das muss vorgehen. Deshalb ist es richtig und verantwortungsvoll, dass wir jetzt – vermutlich mindestens bis zum 19. April – auf unsere gewohnten Gottesdienste verzichten.

Gottesdienste  sollen uns geistliche Orientierung geben. Sie öffnen Räume der Besinnung und wollen in besonderer Weise unsere Augen auf Gott ausrichten. So sagt es auch der Psalm zum Sonntag Okuli, der nun einige Tage zurückliegt. Darum geht es: bei allen Mühen, Sorgen und Gedanken uns immer auch auf Gott, seine Liebe und Menschenfreundlichkeit auszurichten. Jesus, an dessen Leiden wir in dieser Zeit erinnern, hat das immer im Blick gehabt. Dafür hat er gestritten und Konflikte riskiert. Weil unsere  religiösen Traditionen nicht um ihrer selbst da sind, sondern den Menschen hilfreich sein sollen. Auch der Gottesdienst soll lebensdienlich sein. Er  ist nicht um seiner selbst willen da. Das müssen wir gerade jetzt Ernst nehmen.

Wir werden auch in den kommenden Wochen weiter Gottesdienst feiern – aber anders als gewohnt. Nicht in unseren Kirchen, nicht als Gemeinde physisch beieinander.  Aber dennoch in vielfältiger Weise mindestens ebenso geistlich verbunden. Ich bin beindruckt über die Kreativität und die Ideen, die mir in diesen Tagen erzählt und berichtet werden. Ich meine damit nicht nur die digitalen Medien. Auch Gottesdienstformen für zu Hause werden entwickelt, die gute alte Hausandacht kommt zu neuen Ehren. Ich denke an kleine vorbereitete  Liturgien, die die Gemeinden und auch der Kirchenkreis zur Verfügung stellen werden und die in den Gemeinden sonntags um 10 gefeiert werden können – nicht in der Kirche, sondern in den einzelnen Häusern und Wohnungen, in großer gemeinsamer Verbundenheit. Die Kirchenglocken unserer Kirchen sollen dazu jeden Sonntag um 10.00 Uhr läuten. Sie rufen dann nicht in die Kirche, aber doch dazu, uns auf den Gott, der uns Hilfe und Trost verspricht gemeinsam auszurichten.  Das wäre ein wichtiges Zeichen des #wirsindda nach außen. Aber wir gestalten dann auch  gemeinsam einen Moment des Innehaltens und setzen ein Zeichen der Gemeinschaft in dieser schwierigen Zeit und besonders auch der Fürbitte für die Infizierten und Erkrankten. Gleichzeitig wäre das Läuten Einladung zur gemeinsamen Feier einer Hausliturgie. Ein Zeichen, dass Gott uns trägt, gerade jetzt. Darauf vertraue ich.

So können wir uns stärken, für die Entwicklungen und Aufgaben, die vor uns liegen. Wir bleiben für die Menschen da. Im Gebet, in der Andacht, in der Seelsorge. Darum bitte ich Sie herzlich: Gedenken Sie einander im Gebet. Rufen Sie einander an. Lassen Sie uns auch in der Distanz einander nahe sein. Auch so sind wir da, gerade in diesen ungewohnten Zeiten.

Kategorien Aktuelles