Veröffentlicht am Fr., 19. Jul. 2019 08:45 Uhr

Das griechische Wort „diakonein“ bedeutet ganz allgemein ein Handeln im Auftrag eines anderen oder für einen anderen. Die Christen haben daraus den Inbegriff des Helfens schlechthin gemacht. Christus selber ist Vorbild im helfend-dienenden Miteinander.

Christsein hat diakonische Folgen. Im Römischen Reich fielen die Christen dadurch auf, dass sie sich um die Toten und die Alten kümmerten. Später wurden die Menschen in Hospitälern versorgt, die von Klöstern betrieben wurden.

Im 19. Jahrhundert nahm die evangelische Diakonie einen starken  Aufschwung durch einzelne Persönlichkeiten, die aus ihrem christlichen Glauben heraus Ideen für das Helfen entwickelten und damit zu den Gründervätern – und Gründermüttern der modernen Diakonie wurden.

So schufen zum Beispiel Theodor Fliedner und seine Frau Friederike das Berufsbild der Diakonisse. Das war der erste Frauenberuf mit einer Fachausbildung. Seit den 1960er Jahren stirbt dieser Beruf langsam aus.

 Die Diakonie des 19. Jahrhunderts organisierte sich jenseits der kirchlichen Strukturen in freien Vereinen und gründete Anstalten mit Heimen als Familienersatz für Waise, Kranke, behinderte Menschen und Ausbildungshäuser für Diakonissen und Diakone.

Johann Hinrich Wichern begründete 1848 die „Innere Mission“, in der die diakonischen Einrichtungen deutschlandweit koordiniert wurden.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die unabhängige vereinsartige Diakonie und die Diakonie von Landeskirchen und Freikirchen in Deutschland unter einem wieder vereinsrechtlich organisierten Dach zusammengefunden, dem Diakonischen Werk.

Das christliche Profil der Diakonie kann in einer multikultureller und multireligiöser werdenden Gesellschaft darin liegen, dass die religiöse und ethische Dimension des Helfens  besonders hervorgehoben und gelebt wird. Ebenso muss es darum gehen, dass Mitarbeitende sowie Hilfeabnehmer darin gefördert werden, ihren eigenen spirituellen Weg zu finden.  Dabei kommt den alltäglichen Ritualen in ihrer Ganzheitlichkeit eine wichtige Rolle zu.

Warum ist uns Diakonie so wichtig? Zum christlichen Ethos gehört es, sich der Verletzlichkeit des eigenen Lebens bewusst zu werden und sich der Verletzlichkeit einer fremden Biographie auszusetzen. Das geschieht im Zuhören, im Dasein, im Helfen und Aushalten, im Pflegen, in Beziehungen und tragenden Gemeinschaften, in denen Menschen leben.

Nichts anderes soll Diakonie bewirken.

Pfarrer i. R. Thomas Spiegelberg

(Foto: Diakonie)


Weitere Themen im ABC des Glaubens

Auferstehung Bibel Buße Christus Diakonie Evangelisch Fürbitte Gott INRI Jerusalem Kirche Kreuz Luther Menschenbild Nächstenliebe Opfer Prophet Quelle Reformation Schöpfung Seelsorge Sünde Teufel Trinität Umkehr Wort Gottes X-Mas Ysop Zeichen

Was ist Evangelisch? Wie verstehen wir heute Sünde? Und wie ist das mit der Auferstehung?

In unserem „ABC des Glaubens“ schreiben Pfarrerinnen und Pfarrer aus unserem Kirchenkreis zu zentralen Begriffen des  Glaubens und eröffnen so einen ganz persönlichen Zugang.

Lassen Sie sich einladen und lesen Sie weiter: zu Christus und Teufel, Prophet und Opfer, Fürbitte und Buße - und anderem mehr.

Und falls Sie zu einem Thema nicht fündig werden: Das ABC des Glaubens ist bei fast jedem Buchstaben zunächst mit einem Artikel gestartet und soll in Zukunft Schritt für Schritt erweitert werden. Schreiben Sie uns also ruhig, was Ihnen fehlt und wozu Sie gerne mehr wissen möchten.

Kategorien ABC des Glaubens