Veröffentlicht am Di., 3. Jul. 2018 08:33 Uhr

Endlich Sommerferien. Gut kann ich mich erinnern, wie ich als Schüler den großen Ferien entgegen gefiebert habe. Dem Schulalltag entkommen, nachdem ich – meistens erst gegen Ende des Schuljahres – mich noch einmal ziemlich angestrengt hatte. Das war einfach wunderbar. Zeit zum Nichtstun und Entspannen, Zeit für Ferien mit Freunden, oft auch bei einer Sommerfahrt mit den unseren kirchlichen Jugendgruppe: England, Spanien, Frankreich oder Italien. Das hat mich geprägt und ich zehre davon noch heute. Es waren nicht allein die kulturell und historisch interessanten Ziele, sondern v.a. die Gemeinschaft und die Gespräche, an die ich mich gut erinnere. Zeit, um Aufzutanken, Zeit zum Nachdenken und natürlich auch fürs erste Verliebtsein. Ein Gefühl von Unabhängigkeit, von Freiheit. Die Welt liegt einem zu Füßen.

Endlich Ferien. Das ist mir heute noch genau so wichtig. Ich freue mich auf diese Zeit. Ausspannen, zu sich selbst kommen, Zeit mit der Familie und Freunde verbringen, Dinge tun, zu denen ich sonst nicht komme. Gerne auch zu Hause. Es ist noch immer ein Gefühl von Freiheit.

Dass Jesus Ferien gemacht hat, ist meinem Wissen nach nicht überliefert. Zumindest aber hat er sich immer wieder einmal Momente der Ruhe gegönnt und war plötzlich verschwunden. Auch zur Verwunderung seiner Jünger und obwohl noch immer nicht alle geheilt waren, die zu ihm gekommen waren. Auf den Wegen, die Jesus gegangen ist – und er ist eigentlich meistens gegangen –, hat er sich außerdem einen Blick für die kleinen Dinge, auch für die Wunder der Schöpfung bewahrt. Die Lilien auf dem Felde werden ihm in der Bergpredigt zu Bildern für die Güte Gottes. Das gleiche gilt für die Vögel, die er unterwegs sieht. Das macht wohl seine Freiheit aus. Er nimmt neben allem Elend auch die Schönheit der Welt wahr. Er lässt sich unterbrechen und nimmt sich Zeit: für sich, für seine Nächsten, für die großen, aber auch für die kleinen Dinge.

Ferien sollen Festtage sein. Das bedeutet jedenfalls das ursprüngliche lateinische Wort. Tage, an denen das Leben zum Fest wird. Weil ich es genießen kann. Weil ich das Leben feiern kann - mal laut mit vielen um mich herum, dann wieder ganze leise, nur für mich. Darin liegt Freiheit. Eine Freiheit, die sich nicht kaufen lässt. Denn sie hat einen inneren Grund. Ist nicht von dieser Welt. In dieser Freiheit sehe ich mich und die Welt mit einem anderen Blick. Mit diesem Blick auf die Welt schauen zu können, sich an ihr vorbehaltlos-unbekümmert erfreuen zu können, das ist ein Geschenk, eine Gnade. Gerade in den Ferien möchte ich es versuchen. Selig, wer diese Gnade ergreift und genießt. Vielleicht mit einem Lied von Detlev Block auf den Lippen:

Der Sommer spannt die Segel / und schmückt sich dem zum Lob, / der Lilienfeld und Vögel / zu Gleichnissen erhob. / Der Botschaft hingegeben / stimmt fröhlich mit uns ein: /Wie schön ist es, zu leben und Gottes Kind zu sein.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Ferienzeit

Ihr Christian Nottmeier
Superintendent

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